Ein Bildungskonzept für Kindertageseinrichtungen hat seinen Praxistest bestanden

In den Jahren 2002 bis 2005 wurde in 68 Kindertageseinrichtungen in Baden-Württemberg und Brandenburg das infans -Konzept für eine neue Frühpädagogik erfolgreich auf seine Praxisfähigkeit erprobt und zugleich weiterentwickelt. Eine erste Darstellung des Konzepts ist 2005 publiziert worden (Andres, B. & Laewen, H.-J.: Elementare Bildung - Handlungskonzept und Instrumente. Band 2. Verlag das netz 2005) Im Jahr 2006 hat die Stadt Stuttgart eine vollständige Fassung des Konzepts für ihre Kindertageseinrichtungen veröffentlicht (Jugendamt Stuttgart: Arbeitshilfe für die Einstein-Kitas. Stuttgart 2006).

Der Kommunalverband Jugend und Soziales des Landes Baden-Württemberg hat 2006 in seiner Reihe KVJS Jugendhilfe-Service das infans-Konzept unter dem Titel: Arbeitshilfe für Bildung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen - Die Handreichung zum infans-Konzept der Frühpädagogik veröffentlicht. Die Auflagenhöhe hat nach mehreren Nachdrucken inzwischen über 20.000 Stück erreicht. Eine kleinere Neuauflage wird zur Zeit vorbereitet. Die Publikation kann kostenlos unter der folgenden Adresse angefordert werden: KVJS/ Postfach 106022/70049 Stuttgart.

Eine vollständig inhaltlich und formal überarbeitete Fassung des Konzepts wird z. Zt. von infans für die Veröffentlichung im Herbst 2010 vorbereitet. Darin werden die Arbeitsergebnisse der Jahre seit der Erprobungsphase enthalten sein.

Die Grundlagen des Konzepts
Das infans -Konzept stellt den in der Bundesrepublik Deutschland zur Zeit am weitesten entwickelten Handlungsrahmen zur Verfügung, der strukturelle Merkmale von Kindertageseinrichtungen ebenso betrifft wie Form und Inhalt der alltäglichen pädagogischen Arbeit.

Das Konzept stützt sich auf die im Bundesmodellprojekt „Bildung in der Kindertageseinrichtung“ entwickelte Klärung der Begriffe Bildung und Erziehung und gliedert sich in fünf Module, wobei die ersten vier Module das konkrete Vorgehen hinsichtlich der Inhalte und Methoden beschreiben, die der pädagogischen Arbeit ihre neue Qualität verleihen. Das fünfte Modul enthält Hinweise zu den organisatorischen Rahmenbedingungen, u. a. zu Fragen des Zeitmanagements, der Kooperation im Team, Leitungsaufgaben und die Unterstützung durch den Träger.


Im Zentrum der Module steht die Herausforderung, in Kindertageseinrichtungen eine neue und dem Stand der gesellschaftlichen Entwicklung angemessene Pädagogik der frühen Jahre zu gestalten. Die Formulierung von verbindlichen Erziehungszielen steht am Beginn der Arbeit. Für die Beobachtung der Kinder, ihre Dokumentation und Auswertung wird ein differenziertes Instrumentarium zur Verfügung gestellt. Im Zentrum des pädagogischen Handelns stehen die „Zumutung von Themen“, die sich ihrerseits an den Erziehungszielen orientieren, und die „Beantwortung von Themen“ der Kinder.

Die Dokumente der pädagogischen Arbeit werden in einem Portfolio zusammengeführt, das für jedes Kind angelegt wird und dessen Inhalt beim Ausscheiden des Kindes aus der Kindertageseinrichtung an die Eltern weitergegeben wird. Zugleich wird die Arbeit u. a. über fachlich kommentierte Fotodokumentationen, die in der Einrichtung für alle zugänglich sind, nach außen transparent gemacht.


Die so genannten „Kernelemente“ des Konzepts dienen der Orientierung und sollten nicht als eine Sammlung von Rezepten angesehen werden, die abgearbeitet werden müssten. Eine knappe Zusammenfassung der Grundlagen und des Vorgehens enthält der Beitrag von Laewen und Andres in dem im Cornelsen-Verlag erschienenen Buch "Bildung und Lerngeschichten im Kindergarten" (Neuß, Hrsg., 2007)

Zur aktuellen Situation
In den Jahren 2006 und 2007 hat infans ein bis heute andauerndes Projekt zur Weiterentwicklung der Frühpädagogik in der Bundesrepublik Deutschland begonnen. In Kooperation mit Trägern und Kindertageseinrichtungen insbesondere in Baden-Württemberg wurden zunächst verschiedene Möglichkeiten der Verbreitung des anspruchsvollen Konzepts der Frühpädagogik auf ihre Praktikabilität untersucht. Dazu gehörten halbtägige Großveranstaltungen mit bis zu 500 Teilnehmerinnen ebenso wie 3tägige Workshops mit bis zu 120 Teilnehmerinnen. Standard-Workshops mit bis zu 40 Teilnehmerinnen sowie Arbeitskreise mit 20 bis 50 Personen wurden in einer Reihe von Regionen durchgeführt.

Zu den kommunalen Trägern, die das infans-Konzept für alle Kindertageseinrichtungen in ihrem Verantwortungsbereich verbindlich machen, zählen u. a. die Städte Böblingen, Freiburg, Heilbronn, Konstanz, Mannheim, Offenburg, Pforzheim, Schramberg, Ulm und die Landeshauptstadt Stuttgart. Das gemeinsame Ziel ist es dabei, auf der Grundlage des infans-Konzepts die Vorgaben des Baden-Württembergischen Orientierungsplans für Kindertageseinrichtungen zu realisieren.


In Brandenburg werden vergleichbare Initiativen vom Landkreis Zossen und AWO-Kreiverbänden in Potsdam und Fürstenwalde unterstützt. Darüber hinaus arbeitet infans in Brandenburg mit fünf landesweit verteilten Konsultationskitas zusammen, in denen die Praxis des Konzepts für Fachbesucher vorgestellt wird. Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport fördert diese Arbeit und hat das infans-Konzept als methodische Umsetzung der Ziele der "Grundsätze elementarer Bildung" des Landes Brandenburg aufgenommen.

Eine interessante Variante der Verbreitung wurde von Beate Andres in Kooperation mit Dr. Monika Bekemeier vom SFBB entwickelt und erprobt. Für 15 Brandenburger Kindertageseinrichtungen kam ein Expertenkonzept zur Anwendung, das eine besonders intensive Arbeit zu jeweils einem der 5 infans-Module mit einzelnen Fachkräften eines Kitas-Teams vorsieht, die dann in ihren Einrichtungen als Expertinnen für dieses Modul verantwortlich sind.

Zur Zeit wird das infans-Konzept der Frühpädagogik in Zusammenarbeit mit dem Trägerverein bildungskrippen.ch in 12 Einrichtungen der deutschsprachigen Schweiz mit einem Schwerpunkt auf die unter dreijährigen Kinder erprobt und an die regionalen Bedingungen angepasst.


Das infans-Konzept wird kontinuierlich weiter entwickelt und wird in einer vollständig überarbeiteten Neuauflage im Herbst 2010 zur Verfügung stehen.
Einzelheiten zu Inhalt, Methodik und ersten Hinweisen zur Wirksamkeit des infans-Konzepts sind unter den folgenden Links zu finden:

Einleitungstext zur Konzeptveröffentlichung
(pdf-datei)
Die ersten Schritte zum infans-Konzept (pdf-datei)
Zu den Ergebnissen des Erprobungsprojekts (pdf-datei)

 
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