|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
 |
|
Sie können diesen Text auch als PDF-File
öffnen wenn Sie den Acrobat-Reader installiert haben. Download des Readers
ist kostenlos bei www.adobe.com
Im letzten Heft der Kita-Debatte (2-2001) hat Beate Andres dargelegt, welche Bedeutung
bei der Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsauftrags von Kindertageseinrichtungen
der Beobachtung und dem fachlichen Diskurs im Team zukommt. Sie hat sich dabei
gestützt auf Erfahrungen, die im Rahmen des Modellprojekts "Zum Bildungsauftrag
von Kindertageseinrichtungen" in den Jahren 1997 - 2000 auch in Brandenburger
Kitas gesammelt wurden.
Inzwischen hat infans im Auftrag des Ministeriums für Bildung, Jugend und
Sport des Landes Brandenburg auf der Basis der Ergebnisse dieses Modellprojekts
ein Handlungskonzept mit konkreten Schritten für die Umsetzung des Bildungs-
und Erziehungsauftrags entwickelt, das - beginnend im Sommer 2002 - mit Brandenburger
Kindertagesstätten erprobt werden wird. Dem 10-Stufen-Projekt-Bildung, das
am 22. April erstmals auf dem 1. Bildungstag Kita in Potsdam vorgestellt wurde,
gilt der folgende Beitrag.
Vorspann
Kinder sind von Geburt an neugierig und interessiert an ihrer Umgebung. Sie eignen
sich die Welt eigenaktiv an und folgen dabei ganz individuellen Bildungswegen.
Im Modellprojekt zum Bildungsauftrag war unser Forschungsinteresse zusammen mit
den Erzieherinnen aus den beteiligten Modelleinrichtungen insbesondere auf diese
Bildungsprozesse von Kindern gerichtet, nachzulesen auch in der Kita-Debatte 1/1999.
Aber auch wenn jedes Kind sich auf Grund eigener Erfahrungen und durch eigenes
Handeln ein Bild von der Welt macht, so müssten seine Versuche, eine Welt
von Bedeutungen und Zusammenhängen zu konstruieren, doch scheitern, wenn
es mit dieser Aufgabe allein gelassen würde. Ohne die Unterstützung
durch Erwachsene, die sich ihm zuwenden, wäre es verloren. In der Kindertagesstätte
ist es die Aufgabe der Erzieher/innen, die Jungen und Mädchen auf ihren Bildungswegen
zu unterstützen und sie zu immer neuen Zielen herauszufordern.
Welche Ziele dies sein können, hängt von dem Entwicklungsstand und den
zentralen Zielen der Kultur ab, in die das Kind hinein geboren wurde und davon,
welches Verständnis die Erwachsenen, mit denen es das Kind zu tun hat, davon
haben. Da die Erwachsenen diese Ziele jedoch nicht in das Kind hinein programmieren
können, müssen sie dafür sorgen, dass jedes Kind Erfahrungen machen
kann, auf die es mit seinen Bildungsbewegungen in der erhofften Richtung reagiert.
Es gibt Gründe für die Annahme, dass ein Ausschöpfen der Begabungen
und Talente, die ein Kind mitbringt, am ehesten dann möglich ist, wenn es
gelingt, durch kulturelle Gegebenheiten legitimierte und zukunftsfähige Erziehungsziele
der Erwachsenen und Bildungsinteressen der Kinder in Einklang zu bringen, anders
ausgedrückt: wenn Erziehungsziele der Erwachsenen zu Bildungszielen der Kinder
werden. Um sich einer solchen Konstellation annähern zu können, bedarf
es der Verständigung zwischen den Erwachsenen und den Kindern. Dafür
gibt es eine ausgezeichnete Grundlage, da einerseits die Kinder in hohem Maße
bereit sind, die Wünsche der Erwachsenen, zu denen sie Bindungsbeziehungen
aufgebaut haben und unterhalten, zu berücksichtigen und andererseits Erwachsene
mit einiger Mühe durchaus in der Lage sind, Interessen und Bildungsziele
von Kindern, denen sie sich zugewandt haben, zu erkennen und ernst zu nehmen (Kita-Debatte
2/2001).
Die einzelnen Handlungsschritte des 10-Stufen-Projekts-Bildung
Das 10-Stufen-Projekt-Bildung bietet Leitlinien, Grundsätze und Verfahrensweisen
an, die eine Neubegründung pädagogischen Handelns in Kindertageseinrichtungen
ermöglichen, unterstützen und herausfordern sollen. Insgesamt werden
den Kindertagesstätten 10 Bildungsmodule bereitgestellt, die im Einzelnen
wie folgt lauten:
Modul 1: Erziehungsziele klären?
• Was wollen wir tun und was ist unser Auftrag?
Zusammentragen und reflektieren der persönlichen Ziele, der gesellschaftlichen
Ziele und des gesetzlichen Auftrags
Modul 2: Themen zumuten
• Wie können wir unsere Ziele in das pädagogische geschehen einbringen?
Erziehung als Gestaltung der Umwelt und Zumutung von Themen in der gestalteten
Interaktion mit dem Kind:
Welche Erfahrungen (Raumgestaltung, Material, Situationen, ereignisse, zugemutete
Themen) ermöglichen den einzelnen Kindern die Auseinandersetzung mit dem
jeweiligen Erziehungsziel/ Thema der Erwachsenen?
Modul 3: Erzieher/innen als Forscher/innen
• Was können wir tun, um jedes Kind besser kennenzulernen?
Sammeln von Informationen zu den Bildungsprozessen der Kinder:
Beobachten, gezielt wahrnehmen, Sammeln von Aneignungs - und Ausdrucksformen der
einzelnen Kinder
Modul 4: Themen beantworten
• Wie können wir mit den Kindern über ihre Bildungsthemen "ins
Gespräch kommen"?
Aufgreifen der Themen der Kinder in der gestalteten Interaktion und durch Modifizierung
des Raum - und Materialangebots:
Die Kinder herausfordern, ihre Fähigkeiten und Knntnisse zu nutzen und weiter
auszudifferenzieren und
Den individuellen Erfahrungen der Kinder einen kulturellen Sinn geben
Modul 5: Dokumentieren
• Wie werden die Bildungswege der einzelnen Kinder und der pädagogische
Prozess dokumentiert?
Zusammenführen der Informationen zu den Bildungsprozessen der einzelnen Kinder
in einem Portfolio:
Die verschiedenen kontinuierlich durchgeführten Beobachtungen und Deren (auch
zusammenfassende) Interpretationen
Modul 6: Gemeinsam denken im Team
• Wie können wir die gesammelten Informationen auswerten und zum Bestandteil
unserer pädagogischen Arbeit machen?
Der regelmäßige fachliche Diskurs im Team:
- Was bedeutet das, was wir beobachtet haben?
- Welche Bildungsthemen verbergen sich hinter dem Tun der Kinder?
- Wie können wir das Kind zu einem nächsten Bildungsschritt herausfordern?
- Welche Unterstützung wäre gerade für dieses Kind angemessen?
Modul 7: Der Dialog mit den Eltern
• Wie können wir mit den Eltern kooperieren, um die Bildungsprozesse
der Kinder fundiert unterstützen zu können?
Die Themen der Eltern wahrnehmen und beantworten und die Eltern in die Bildungsarbeit
der Kindertagesstätte einbeziehen:
- durch wechselseitigen Austausch von Beobachtungen,
- durch gemeinsame Interpretation von Beobachtungen
- über thematische und kindbezogene Ausstellungen
Modul 8: Sich bilden oder die Qualifizierung des Personals
• Was brauche ich an Kenntnissen und Fähigkeiten für meinen eigenen
Bildungsprozess?
• Welche Kenntnisse brauchen wir als Team einer Kindertagesstätte für
die Weiterentwicklung unserer Bildungsarbeit?
Jede/r Erzieher/in nimmt mindestens 1 x im Jahr an einer externen mehrtägigen
Fortbildung teil; die Themenauswahl erfolgt im Team 1 x jährlich finden Klausurtage
in der Kindertagesstätte statt
Praxisberatung und andere Praxisunterstützungssysteme werden genutzt etc.
Modul 9: Kooperation im Gemeinwesen aufbauen
• Wer zieht mit uns an einem Strang?
Kooperationen suchen, auf- und ausbauen:
- mit den Grundschulen des Ortes, zu den Lehrerinnen und Lehrern der ersten Klassen,
- mit Beratungs- und Frühförderstellen,
- mit Tagesmüttern und Tagesvätern,
- zu anderen Bildungsstätten im Ort
Modul 10: Erreichtes prüfen - Qualitätsmessung und Qualitätsentwicklung
• Was haben wir erreicht? Was müssen wir noch tun?
1x pro Jahr wird geprüft, ob die Erzieher/innen, die in den einzelnen Modulen
beschriebenen Schritte umsetzen konnten, was nicht erreicht werden konnte und
als Aufgabe für die Zukunft ansteht
In welchem Umfang es einer Kindertageseinrichtung gelingt, diese Bildungsmodule
zur Grundlage ihrer Arbeit zu machen und kontinuierlich umzusetzen hängt
auch davon ab, in welchen fachlichen Rahmen die Erzieherinnen einer Kindertagesstätte
eingebunden sind. Die in Brandenburg zur Verfügung stehenden Praxisunterstützungssysteme,
die Überregionalen Pädagogischen Zentren, die Praxisberatung, die Überregionalen
Konsultationskitas und das Sozialpädagogische Fortbildungswerk bieten hier
einen wichtigen Hintergrund für die Weiterentwicklung der eigenen Überlegungen
zum Bildungs- und Erziehungsauftrag.
Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass die Strukturqualität, wie
z.B. ein flexibles Arbeitszeitmodell, Vor- und Nachbereitungszeit, der Betreuerin-Kind-Schlüssel
als Basis Einfluss nehmen darauf, ob die im 10-Stufen-Projekt angebotenen Bildungsmodule
erfolgreich genutzt werden können.
Einführende Bemerkungen zu Inhalten und Vorgehen
Das 10-Stufen-Projekt-Bildung enthält in seinem Kern 10 Module, in denen
die wichtigsten Verfahrensweisen und Instrumente zusammen gefasst und geordnet
sind. Die Arbeit mit diesen Modulen setzt zum einen eine Haltung der grundsätzlichen
Anerkennung der Kinder als "konstruierende Kinder" voraus, zum anderen
Erzieherinnen, die sich als Forschende verstehen. Forschende Erzieherinnen gehen
nie davon aus, dass sie bereits alles über ein Kind wissen. Vielmehr wird
ihr Handeln getragen von einer offenen Haltung jedem Jungen und jedem Mädchen
gegenüber. Sie sind interessiert daran herauszufinden, was das jeweils Besondere
an den einzelnen Kindern ist und bereit sich auf die jeweiligen ganz individuellen
Bildungswege der Kinder einzulassen. Eine forschende Erzieherin macht sich am
Beispiel der Bildungsprozesse, die sie jeden Tag in ihrer Kindertagesstätte
beobachten kann ein Bild von Bildung.
Ein zentraler Handlungsschritt im 10-Stufen-Projekt-Bildung ist entsprechend die
Beobachtung der Kinder. Um etwas zu erfahren über die Bildungsthemen, die
die einzelnen Kinder gerade bearbeiten, über die Art und Weise wie sie dies
tun, was ihre Vorlieben und besonderen Begabungen sind, aber auch, um ggf. auf
Risiken in der Entwicklung von Kindern aufmerksam zu werden, ist jede Erzieherin
aufgefordert, genau zu beobachten und gezielt wahrzunehmen. Ein weiterer thematischer
Beobachtungsschwerpunkt sind die Beziehungen der Kinder untereinander und zu den
Erwachsenen der Einrichtung. Andere Kinder und insbesondere Freunde sind wichtig
als Lernpartner (vgl. Völkel, Kita-Debatte 1/2000), vertraute Erzieherinnen
sind unverzichtbar als sichere Basis und emotionaler Rahmen für die Bildungsbewegungen
der Jungen und Mädchen. Kinder bauen nach einiger Zeit besondere Beziehungen
zu einigen wenigen Erzieherinnen ihrer Einrichtung auf, sogenannte Bindungsbeziehungen
und dadurch werden diese Erzieherinnen zu sehr wichtigen Personen für die
Kinder, deren Nähe sie um so dringender benötigen, je jünger sie
sind. Die Zeit der Eingewöhnung (vgl. dazu ausführlich Kita-Debatte
2/1992) legt die Grundlagen für diese Entwicklung. Als eine weitere Konsequenz
folgt daraus die Notwendigkeit einer Analyse, durch die nach einigen Wochen (und
später regelmäßig etwa zweimal im Jahr bzw. bei Personalwechsel)
für jedes Kind die Erzieherinnen identifiziert werden, die für das Kind
zu engeren Bezugspersonen geworden sind. Der Dienstplan soll dann so gestaltet
werden, das zumindest eine dieser Erzieherinnen immer anwesend ist, wenn sich
das Kind in der Einrichtung aufhält. Ein Instrument zur Dokumentation der
Bindungsbeziehungen jedes Kindes ist im Modul 3 enthalten.
Neben der Aufnahme des Kindes und der sich daran anschließenden Eingewöhnungszeit
in Begleitung eines Elternteils ist auch die Aufnahme von "diplomatischen
Beziehungen" zu der Familie des Kindes von größter Bedeutung für
den Erfolg einer Kita als Bildungsinstitution (Modul 7). Ohne oder gar gegen sie
kann die Einrichtung wenig ausrichten und schon aus diesen Gründen sollte
der Auf- und Ausbau der Beziehungen zu den Eltern der Kinder höchste Priorität
haben. Als sachliche Grundlage einer solchen auf die Dauer von mehreren Jahren
angelegten Beziehung ist im 10-Stufen-Projekt-Bildung ein (auch aus anderen Gründen
sehr wichtiges) international benutztes Modell für die Dokumentation der
pädagogischen Arbeit und ihrer Ergebnisse enthalten. In Form eines "Portfolios"
werden von Beginn an alle Unterlagen aus den Beobachtungen der Erzieherin, die
Auskunft geben können über die sozialen Beziehungen des Kindes, die
Themen, mit denen es sich befasst hat, seine Talente und Fortschritte, etc., sowie
Fotos, besonders gelungene oder aussagekräftige "Produkte" des
Kindes, Notizen mit anekdotischem Material, kleine Geschichten und anderes mehr
zusammengetragen und aufbewahrt. Auf diese Weise liegt schon nach kurzer Zeit
eine Fülle von Material bereit, das für Eltern von hohem Interesse ist
und das die Grundlage für sachhaltige und von Beziehungsfragen entlastete
Gespräche mit den Eltern der Kinder bietet. Die Information der Eltern über
das Anlegen eines solchen Portfolios für ihr Kind (und das Einholen ihres
Einverständnisses dazu) sowie seine vorgesehenen Inhalte wird selbst schon
einen wichtigen Teil der einführenden Gespräche ausmachen können
und den Eltern im allgemeinen den Eindruck vermitteln, dass die Entwicklung und
das Wohlergehen ihres Kindes sorgfältig beachtet und sie selbst auf dieser
Grundlage umfassend informiert werden. Solche Informationsgespräche sollten
regelmäßig in nicht zu großen Abständen angeboten werden
(etwa 3-4 Mal im Jahr) und können bereichert werden um Gespräche und
Nachfragen über das bzw. zu dem Leben des Kindes in der Familie, das ebenfalls
durch Fotos und Geschichten, etc. in die Dokumentation Eingang finden können.
Insbesondere kann über die Darstellungen aus den verschiedenen Beobachtungsinstrumenten
die Aufmerksamkeit der Eltern auf wichtige Merkmale der Bildungsprozesse ihrer
Kinder gelenkt und sie zu eigenen Beobachtungen angeregt werden, die dann ebenfalls
im Portfolio des Kindes berücksichtigt werden sollten.
Dieser Gestaltung der Aufnahme des Kindes in die Einrichtung und der Beginn der
Beziehungen zu seiner Familie korrespondiert die Gestaltung des Übergangs
des Kindes in die Grundschule am Ende seiner Zeit in der Kindertageseinrichtung.
Nicht nur der Abschied des Kindes von den Personen, die ihn über eine lange
Zeit seines noch jungen Lebens begleitet und sein "Bild von der Welt"
und die Entwicklung seiner seine Kompetenzen, in dieser Welt handlungsfähig
zu sein, unterstützt und herausgefordert haben, will seine Form finden. Es
geht auch um eine letzte Geste der Unterstützung für das Kind, das seinen
ganz persönlichen Übergang in diese neue Welt von Herausforderungen
konstruieren muss und will. Zu den verschiedenen Formen, die Bemühungen um
die Gestaltung dieses Übergangs in die Schule annehmen können, sind
Kriterien im 10-Stufen-Projekt-Bildung enthalten, die bedacht werden sollten,
wenn eine Kindertageseinrichtung sich dieser Aufgabe stellt (Modul 9).
Zwischen diesen Polen der Aufnahme eines Kindes und seinem Abschied aus der Einrichtung
befindet sich das Feld der alltäglichen pädagogischen Arbeit, die täglich
auf's Neue geleistet und den Bildungsprozessen jedes einzelnen Kindes angepasst
werden muss, wenn die Einrichtung Erziehung auf hohem Niveau anbieten will. Im
Erarbeiten eines neuen Zugangs zu den Bildungsprozessen der Kinder und der Entwicklung
von Formen der Erziehung, die ihnen angemessen sind, kreuzen sich die "Bildungswege
der Einrichtung" und die der Kinder. Auch die Einrichtung muss zum Mittel
der Konstruktion neuer Welt- und Kindbilder greifen, wenn sie zu neuen Ergebnissen
in ihrer Arbeit gelangen will. Im Bildungsbereich kann nicht auf der Basis von
"Rezepten" gearbeitet werden, es sind jeweils eigenständige Konstruktionsleistungen
erforderlich. Das 10-Stufen-Projekt-Bildung kann solche Konstruktionen nur herausfordern,
sie ermöglichen und unterstützen, aber nicht ersetzen.
Zu diesem Zweck sind auf einer breiten Basis Kenntnisse aus der internationalen
Forschung, aus Anwendungserfahrungen der Praxis und aus eigenen Arbeiten im Rahmen
des Bundesmodellprojekts "Zum Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen"
zusammengeführt worden, die in dieser Form neu sind. Das bedeutet auch, dass
im Umgang mit den Materialien und Verfahrensvorschlägen Erfahrungen gesammelt,
ausgewertet und weiterentwickelt werden müssen. Anders ausgedrückt:
Die Arbeit mit dem 10-Stufen-Projekt-Bildung wird die Form eines gemeinsamen Forschungsprojektes
haben, dessen Themen die Bildungsprozesse der frühen Kindheit und geeignete
Möglichkeiten ihrer Herausforderung und Unterstützung in Kindertageseinrichtungen
sein werden. Das 10-Stufen-Projekt-Bildung setzt dabei einen Anfang, der selbst
schon Ergebnis der Arbeit von vielen ist, die fortgeführt werden soll und
muss. Der Komplexität des Vorhabens entspricht es, ein solches Vorhaben von
vorn herein als ein gemeinsames zwischen Forschung und Anwendung zu entwerfen,
da erkennbar das eine ohne das andere nur schwer auskommen wird, wenn sinnvolle
Ergebnisse erzielt werden sollen, die unter den Bedingungen der Praxis auch standhalten
können.
Dabei schlagen wir vor, in zwei Schritten vorzugehen, die sich möglicherweise
ein Stück weit überschneiden werden. Im ersten Schritt liegt der Schwerpunkt
der Anstrengungen auf der Etablierung einiger grundlegender Vorgehensweisen und
auf der Beobachtung der Kinder. Hauptziel ist es, wie oben bereits beschrieben,
"die Kinder besser kennen zu lernen", mit Hilfe der Instrumentarien
eine persönliche Überzeugung davon zu entwickeln, wie Bildungsbewegungen
von Kinder aussehen können, welche Zugänge zur Welt die Kinder für
ihre Konstruktionen nutzen, welche Beziehungen sie untereinander knüpfen,
welche Reaktionen ihr Verhalten in der Beobachterin auslöst, etc. Die Erfahrungen
sollen ausgewertet, die Instrumente verbessert und ggf. ergänzt werden und
auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse mögliche Vorgehensweisen diskutiert
werden.
Daneben wird es eine Herausforderung für das pädagogische Fachpersonal
der Einrichtungen sein, sich unter Berücksichtigung der Vorgaben des Gesetzgebers,
des Trägers und dem Stand der öffentlichen Diskussion über die
Erziehungsziele zu verständigen, die in der Einrichtung verbindlich verfolgt
werden sollen. Eine solche Verständigung wird zunächst einmal eher vorläufige
Ergebnisse haben, die auch die sehr persönlichen Werthaltungen und Ziele
der einzelnen Mitarbeiterin berühren werden. Die Ergebnisse werden formuliert
und dienen als Arbeitsgrundlage, die im Prozess weiterentwickelt werden kann.
Die pädagogische Arbeit selbst, soweit nicht die eingangs erwähnten
grundlegenden Vorgaben betroffen sind (Eingewöhnung der Kinder, Anlegen von
Portfolios, etc.) bleibt vom 10-Stufen-Projekt-Bildung vorerst unberührt.
Allerdings kann damit gerechnet werden, dass sich aus der Erarbeitung von Erziehungszielen
und den Beobachtungen der Kinder fast von selbst Fragen bzgl. der pädagogischen
Konzepte ergeben werden. Diesen Fragen wird dann im zweiten Schritt des Vorhabens
intensiv nachgegangen werden (Module 2 und 4).
Allen, die interessiert sind, sich über die Grundlagen des 10-Stufen-Projekts-Bildung
zu informieren sei das Werkstattbuch "Forscher, Künstler, Konstrukteure"
anempfohlen, in dem die Ergebnisse des Modellprojekts zum Bildungsauftrag für
die Praxis dargelegt sind. Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
hat diesen Band mit dem 1. Bildungstag Kita allen Kindertagesstätten im Land
zur Verfügung gestellt.
Insgesamt setzt das Projekt die Bereitschaft der Erzieher/innen
voraus, sich auf diese Herausforderung und die damit verbundenen Anstrengungen
einzulassen, die des Trägers, die notwendigen Ressourcen
bereitzustellen, die der PraxisberaterInnen, die vorhersehbar
komplexen Prozesse der Veränderung zu begleiten und zu moderieren, schließlich
die Bereitschaft des Gemeinwesens insgesamt, ein solches
Vorhaben zuzulassen und zu fördern. Insbesondere ist die Existenz einer Transferstruktur
unverzichtbar, die mit den nötigen Ressourcen ausgestattet dafür sorgt,
dass die Erfahrungen, die mit dem Instrumentarien und den Handlungsempfehlungen
des 10-Stufen-Projekts-Bildung gemacht werden, ausgewertet, weiterentwickelt und
die Ergebnisse an die Einrichtungen zurück vermittelt werden können.
Das Vorhaben ist von komplexer Natur und stellt hohe Ansprüche an die Beteiligten,
die über längere Zeit erfüllt werden müssen, wenn ein dauerhafter
Erfolg in der Reform des vorschulischen Bildungswesens erreicht werden soll.
Die Entscheidung, sich auf ein solches Vorhaben einzulassen, es selbst mit zu
tragen, erfordert persönlichen Mut, fachliche Kompetenz und Vertrauen in
die Kooperation mit anderen, von der sehr viel abhängt. Die anderen sind
die Kolleginnen, die Trägervertreter, die Eltern, die Beraterinnen, die Wissenschaftler,
die verantwortlichen Politiker, die Verwaltungsfachleute, die Journalisten und
vermutlich viele, an die hier noch gar nicht gedacht werden kann und die ihre
Rolle erst im laufenden Projekt finden.
Es bedeutet auch und besonders, Vertrauen zu sich selbst zu haben, in die eigene
Beobachtungs- und Urteilsfähigkeit, die für einen angemessenen Gebrauch
des Instrumentariums unabdingbar ist. Nicht der Glaube an die Wirksamkeit von
Instrumenten oder Methoden kann hier weiterhelfen, sondern nur die persönliche
Überprüfung ihrer Sinnhaftigkeit und ihres Nutzens durch jede Erzieherin
und alle anderen fachlich kompetenten Beteiligten. Die Frage der Bildung der Kinder
und ihrer wirksamen Unterstützung kann nur durch eigenen Augenschein, durch
eigene Forschung, durch eigenes Urteil - durch eigene Konstruktionsleistungen
- und das kontinuierliche Gespräch miteinander beantwortet werden.
Wann beginnt das Projekt in Brandenburg und was sind die ersten Schritte?
Das Projekt wird mit einer großen Auftaktveranstaltung Ende Oktober 2002
für die Teams aller beteiligten Einrichtungen beginnen. Dort werden die 10
weiterentwickelten Bildungsmodule, der Ablauf des Projekts und die geplanten Formen
der Kooperation zwischen infans und den Kindertagesstätten im Detail vorgestellt.
Jede Projekt-Kindertagesstätte wird auf dieser Tagung die Forschungsinstrumente
bekommen, die ihr zentrales Handwerkszeug für die nächsten 1 ½
Jahre sein werden.
Mit zwei Kerneinrichtungen wird das infans-Team die
10 Bildungsmodule intensiv erproben und bei regelmäßigen Besuchen in
den beiden Kindertagesstätten diskutieren. Es wird vorausgesetzt, dass sich
die Teams dieser beiden Einrichtungen bereits vor Beginn des Projekts mit der
seit einigen Jahren laufenden Bildungsdiskussion beschäftigt haben. Regelmäßige
pädagogische Teamgespräche sollten selbstverständlich sein.
Im mitforschenden Keis des Projekts werden sich weitere
30 Kindertagesstätten am Projekt beteiligen. Nach der Auftaktveranstaltung
werden diese Einrichtungen in einer ersten Forschungsphase mit Beobachtungsinstrumenten
aus dem 10-Stufen-Konzept arbeiten, ihre Erziehungsziele konkretisieren, für
jedes Kind eine Dokumentation (Portfolio) anlegen und erste Schritte zur Umgestaltung
der Kita tun. Via Internet wird sich jede beteiligte Kindertagesstätte
mit den anderen Forschungseinrichtungen und infans austauschen und Fragen erörtern
können. Nach etwa 3 Monaten werden je drei Vertreterinnen aus den mitforschenden
Kindertagesstätten in 2-tägigen Workshops zusammenkommen und dort
Gelegenheit haben, ihre Erfahrungen persönlich einzubringen und sich in
der Handhabung des Instrumentariums von den infans-MitarbeiterInnen beraten
zu lassen.
Der erweiterte Kreis des 10-Stufen-Projekts-Bildung
steht allen interessierten Kindertagesstätten des Landes Brandenburg offen.
Es ist geplant einzelne Bildungsmodule, die in den mitforschenden Kindertagesstätten
und den Kerneinrichtungen ausreichend erprobt wurden, baldmöglichst allen
Erzieherinnenteams zur Verfügung zu stellen, die sich dem Forschungsverbund
Bildungsauftrag anschließen wollen.
Einladung zur Teilnahme am Forschungsverbund Bildungsauftrag Sind Sie beim Lesen
neugierig geworden auf das 10-Stufen-Projekt-Bildung und haben Sie Lust bekommen
mitzuforschen? Noch können Sie sich um eine Teilnahme am Projekt bewerben.
Und wie läuft das Bewerbungsverfahren?
Schicken Sie uns Ihre Interessensbekundung und die Adresse Ihrer Kindertagesstätte
bis spätestens 30. Juni 2002 zu.
Entweder postalisch an:
infans e.V.
Havelberger Str. 13
10559 Berlin
oder per e-mail
INFANS@t-online.de
Wir werden Ihnen dann die Bewerbungsunterlagen zusammen mit einer Projektbeschreibung
zuschicken. So können Sie sich in Ihrem Team noch einmal ausführlich
darüber verständigen, ob Sie sich um eine Teilnahme am 10-Stufen-Projekt-
Bildung bewerben wollen.
Ende der Bewerbungsfrist ist der 16. September 2002. Die Auswahl der Kerneinrichtungen
und mitforschenden Kindertagesstätten wird dann Ende September abgeschlossen
sein.
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
|
|
 |
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
|
|
|
 |
|
Home |
|
|
 |
|
|
|
|
 |
|
Offizielle Homepage von  |
|
|
 |
|
|
|
|
 |
|
weiter… |
|
 |
|
|
|
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
|
|
|
 |
|
Material-
angebote |
|
|
 |
|
|
|
|
 |
|
Projekt DVDs,
Anleitungen,
Materialien … |
|
|
 |
|
|
|
|
 |
|
weiter… |
|
 |
|
|
|
 |
|
|