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Im letzten Heft der Kita-Debatte (2-2001) hat Beate Andres dargelegt, welche Bedeutung bei der Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsauftrags von Kindertageseinrichtungen der Beobachtung und dem fachlichen Diskurs im Team zukommt. Sie hat sich dabei gestützt auf Erfahrungen, die im Rahmen des Modellprojekts "Zum Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen" in den Jahren 1997 - 2000 auch in Brandenburger Kitas gesammelt wurden.
Inzwischen hat infans im Auftrag des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg auf der Basis der Ergebnisse dieses Modellprojekts ein Handlungskonzept mit konkreten Schritten für die Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsauftrags entwickelt, das - beginnend im Sommer 2002 - mit Brandenburger Kindertagesstätten erprobt werden wird. Dem 10-Stufen-Projekt-Bildung, das am 22. April erstmals auf dem 1. Bildungstag Kita in Potsdam vorgestellt wurde, gilt der folgende Beitrag.

Vorspann
Kinder sind von Geburt an neugierig und interessiert an ihrer Umgebung. Sie eignen sich die Welt eigenaktiv an und folgen dabei ganz individuellen Bildungswegen. Im Modellprojekt zum Bildungsauftrag war unser Forschungsinteresse zusammen mit den Erzieherinnen aus den beteiligten Modelleinrichtungen insbesondere auf diese Bildungsprozesse von Kindern gerichtet, nachzulesen auch in der Kita-Debatte 1/1999. Aber auch wenn jedes Kind sich auf Grund eigener Erfahrungen und durch eigenes Handeln ein Bild von der Welt macht, so müssten seine Versuche, eine Welt von Bedeutungen und Zusammenhängen zu konstruieren, doch scheitern, wenn es mit dieser Aufgabe allein gelassen würde. Ohne die Unterstützung durch Erwachsene, die sich ihm zuwenden, wäre es verloren. In der Kindertagesstätte ist es die Aufgabe der Erzieher/innen, die Jungen und Mädchen auf ihren Bildungswegen zu unterstützen und sie zu immer neuen Zielen herauszufordern.

Welche Ziele dies sein können, hängt von dem Entwicklungsstand und den zentralen Zielen der Kultur ab, in die das Kind hinein geboren wurde und davon, welches Verständnis die Erwachsenen, mit denen es das Kind zu tun hat, davon haben. Da die Erwachsenen diese Ziele jedoch nicht in das Kind hinein programmieren können, müssen sie dafür sorgen, dass jedes Kind Erfahrungen machen kann, auf die es mit seinen Bildungsbewegungen in der erhofften Richtung reagiert.

Es gibt Gründe für die Annahme, dass ein Ausschöpfen der Begabungen und Talente, die ein Kind mitbringt, am ehesten dann möglich ist, wenn es gelingt, durch kulturelle Gegebenheiten legitimierte und zukunftsfähige Erziehungsziele der Erwachsenen und Bildungsinteressen der Kinder in Einklang zu bringen, anders ausgedrückt: wenn Erziehungsziele der Erwachsenen zu Bildungszielen der Kinder werden. Um sich einer solchen Konstellation annähern zu können, bedarf es der Verständigung zwischen den Erwachsenen und den Kindern. Dafür gibt es eine ausgezeichnete Grundlage, da einerseits die Kinder in hohem Maße bereit sind, die Wünsche der Erwachsenen, zu denen sie Bindungsbeziehungen aufgebaut haben und unterhalten, zu berücksichtigen und andererseits Erwachsene mit einiger Mühe durchaus in der Lage sind, Interessen und Bildungsziele von Kindern, denen sie sich zugewandt haben, zu erkennen und ernst zu nehmen (Kita-Debatte 2/2001).

Die einzelnen Handlungsschritte des 10-Stufen-Projekts-Bildung
Das 10-Stufen-Projekt-Bildung bietet Leitlinien, Grundsätze und Verfahrensweisen an, die eine Neubegründung pädagogischen Handelns in Kindertageseinrichtungen ermöglichen, unterstützen und herausfordern sollen. Insgesamt werden den Kindertagesstätten 10 Bildungsmodule bereitgestellt, die im Einzelnen wie folgt lauten:

Modul 1: Erziehungsziele klären?
• Was wollen wir tun und was ist unser Auftrag?

Zusammentragen und reflektieren der persönlichen Ziele, der gesellschaftlichen Ziele und des gesetzlichen Auftrags

Modul 2: Themen zumuten
• Wie können wir unsere Ziele in das pädagogische geschehen einbringen?

Erziehung als Gestaltung der Umwelt und Zumutung von Themen in der gestalteten Interaktion mit dem Kind:
Welche Erfahrungen (Raumgestaltung, Material, Situationen, ereignisse, zugemutete Themen) ermöglichen den einzelnen Kindern die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Erziehungsziel/ Thema der Erwachsenen?

Modul 3: Erzieher/innen als Forscher/innen
• Was können wir tun, um jedes Kind besser kennenzulernen?

Sammeln von Informationen zu den Bildungsprozessen der Kinder:
Beobachten, gezielt wahrnehmen, Sammeln von Aneignungs - und Ausdrucksformen der einzelnen Kinder

Modul 4: Themen beantworten
• Wie können wir mit den Kindern über ihre Bildungsthemen "ins Gespräch kommen"?

Aufgreifen der Themen der Kinder in der gestalteten Interaktion und durch Modifizierung des Raum - und Materialangebots:
Die Kinder herausfordern, ihre Fähigkeiten und Knntnisse zu nutzen und weiter auszudifferenzieren und
Den individuellen Erfahrungen der Kinder einen kulturellen Sinn geben

Modul 5: Dokumentieren
• Wie werden die Bildungswege der einzelnen Kinder und der pädagogische Prozess dokumentiert?

Zusammenführen der Informationen zu den Bildungsprozessen der einzelnen Kinder in einem Portfolio:
Die verschiedenen kontinuierlich durchgeführten Beobachtungen und Deren (auch zusammenfassende) Interpretationen

Modul 6: Gemeinsam denken im Team
• Wie können wir die gesammelten Informationen auswerten und zum Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit machen?

Der regelmäßige fachliche Diskurs im Team:
- Was bedeutet das, was wir beobachtet haben?
- Welche Bildungsthemen verbergen sich hinter dem Tun der Kinder?
- Wie können wir das Kind zu einem nächsten Bildungsschritt herausfordern?
- Welche Unterstützung wäre gerade für dieses Kind angemessen?

Modul 7: Der Dialog mit den Eltern
• Wie können wir mit den Eltern kooperieren, um die Bildungsprozesse der Kinder fundiert unterstützen zu können?

Die Themen der Eltern wahrnehmen und beantworten und die Eltern in die Bildungsarbeit der Kindertagesstätte einbeziehen:
- durch wechselseitigen Austausch von Beobachtungen,
- durch gemeinsame Interpretation von Beobachtungen
- über thematische und kindbezogene Ausstellungen

Modul 8: Sich bilden oder die Qualifizierung des Personals
• Was brauche ich an Kenntnissen und Fähigkeiten für meinen eigenen Bildungsprozess?
• Welche Kenntnisse brauchen wir als Team einer Kindertagesstätte für die Weiterentwicklung unserer Bildungsarbeit?

Jede/r Erzieher/in nimmt mindestens 1 x im Jahr an einer externen mehrtägigen Fortbildung teil; die Themenauswahl erfolgt im Team 1 x jährlich finden Klausurtage in der Kindertagesstätte statt
Praxisberatung und andere Praxisunterstützungssysteme werden genutzt etc.

Modul 9: Kooperation im Gemeinwesen aufbauen
• Wer zieht mit uns an einem Strang?

Kooperationen suchen, auf- und ausbauen:
- mit den Grundschulen des Ortes, zu den Lehrerinnen und Lehrern der ersten Klassen,
- mit Beratungs- und Frühförderstellen,
- mit Tagesmüttern und Tagesvätern,
- zu anderen Bildungsstätten im Ort

Modul 10: Erreichtes prüfen - Qualitätsmessung und Qualitätsentwicklung
• Was haben wir erreicht? Was müssen wir noch tun?

1x pro Jahr wird geprüft, ob die Erzieher/innen, die in den einzelnen Modulen beschriebenen Schritte umsetzen konnten, was nicht erreicht werden konnte und als Aufgabe für die Zukunft ansteht

In welchem Umfang es einer Kindertageseinrichtung gelingt, diese Bildungsmodule zur Grundlage ihrer Arbeit zu machen und kontinuierlich umzusetzen hängt auch davon ab, in welchen fachlichen Rahmen die Erzieherinnen einer Kindertagesstätte eingebunden sind. Die in Brandenburg zur Verfügung stehenden Praxisunterstützungssysteme, die Überregionalen Pädagogischen Zentren, die Praxisberatung, die Überregionalen Konsultationskitas und das Sozialpädagogische Fortbildungswerk bieten hier einen wichtigen Hintergrund für die Weiterentwicklung der eigenen Überlegungen zum Bildungs- und Erziehungsauftrag.

Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass die Strukturqualität, wie z.B. ein flexibles Arbeitszeitmodell, Vor- und Nachbereitungszeit, der Betreuerin-Kind-Schlüssel als Basis Einfluss nehmen darauf, ob die im 10-Stufen-Projekt angebotenen Bildungsmodule erfolgreich genutzt werden können.

Einführende Bemerkungen zu Inhalten und Vorgehen
Das 10-Stufen-Projekt-Bildung enthält in seinem Kern 10 Module, in denen die wichtigsten Verfahrensweisen und Instrumente zusammen gefasst und geordnet sind. Die Arbeit mit diesen Modulen setzt zum einen eine Haltung der grundsätzlichen Anerkennung der Kinder als "konstruierende Kinder" voraus, zum anderen Erzieherinnen, die sich als Forschende verstehen. Forschende Erzieherinnen gehen nie davon aus, dass sie bereits alles über ein Kind wissen. Vielmehr wird ihr Handeln getragen von einer offenen Haltung jedem Jungen und jedem Mädchen gegenüber. Sie sind interessiert daran herauszufinden, was das jeweils Besondere an den einzelnen Kindern ist und bereit sich auf die jeweiligen ganz individuellen Bildungswege der Kinder einzulassen. Eine forschende Erzieherin macht sich am Beispiel der Bildungsprozesse, die sie jeden Tag in ihrer Kindertagesstätte beobachten kann ein Bild von Bildung.

Ein zentraler Handlungsschritt im 10-Stufen-Projekt-Bildung ist entsprechend die Beobachtung der Kinder. Um etwas zu erfahren über die Bildungsthemen, die die einzelnen Kinder gerade bearbeiten, über die Art und Weise wie sie dies tun, was ihre Vorlieben und besonderen Begabungen sind, aber auch, um ggf. auf Risiken in der Entwicklung von Kindern aufmerksam zu werden, ist jede Erzieherin aufgefordert, genau zu beobachten und gezielt wahrzunehmen. Ein weiterer thematischer Beobachtungsschwerpunkt sind die Beziehungen der Kinder untereinander und zu den Erwachsenen der Einrichtung. Andere Kinder und insbesondere Freunde sind wichtig als Lernpartner (vgl. Völkel, Kita-Debatte 1/2000), vertraute Erzieherinnen sind unverzichtbar als sichere Basis und emotionaler Rahmen für die Bildungsbewegungen der Jungen und Mädchen. Kinder bauen nach einiger Zeit besondere Beziehungen zu einigen wenigen Erzieherinnen ihrer Einrichtung auf, sogenannte Bindungsbeziehungen und dadurch werden diese Erzieherinnen zu sehr wichtigen Personen für die Kinder, deren Nähe sie um so dringender benötigen, je jünger sie sind. Die Zeit der Eingewöhnung (vgl. dazu ausführlich Kita-Debatte 2/1992) legt die Grundlagen für diese Entwicklung. Als eine weitere Konsequenz folgt daraus die Notwendigkeit einer Analyse, durch die nach einigen Wochen (und später regelmäßig etwa zweimal im Jahr bzw. bei Personalwechsel) für jedes Kind die Erzieherinnen identifiziert werden, die für das Kind zu engeren Bezugspersonen geworden sind. Der Dienstplan soll dann so gestaltet werden, das zumindest eine dieser Erzieherinnen immer anwesend ist, wenn sich das Kind in der Einrichtung aufhält. Ein Instrument zur Dokumentation der Bindungsbeziehungen jedes Kindes ist im Modul 3 enthalten.

Neben der Aufnahme des Kindes und der sich daran anschließenden Eingewöhnungszeit in Begleitung eines Elternteils ist auch die Aufnahme von "diplomatischen Beziehungen" zu der Familie des Kindes von größter Bedeutung für den Erfolg einer Kita als Bildungsinstitution (Modul 7). Ohne oder gar gegen sie kann die Einrichtung wenig ausrichten und schon aus diesen Gründen sollte der Auf- und Ausbau der Beziehungen zu den Eltern der Kinder höchste Priorität haben. Als sachliche Grundlage einer solchen auf die Dauer von mehreren Jahren angelegten Beziehung ist im 10-Stufen-Projekt-Bildung ein (auch aus anderen Gründen sehr wichtiges) international benutztes Modell für die Dokumentation der pädagogischen Arbeit und ihrer Ergebnisse enthalten. In Form eines "Portfolios" werden von Beginn an alle Unterlagen aus den Beobachtungen der Erzieherin, die Auskunft geben können über die sozialen Beziehungen des Kindes, die Themen, mit denen es sich befasst hat, seine Talente und Fortschritte, etc., sowie Fotos, besonders gelungene oder aussagekräftige "Produkte" des Kindes, Notizen mit anekdotischem Material, kleine Geschichten und anderes mehr zusammengetragen und aufbewahrt. Auf diese Weise liegt schon nach kurzer Zeit eine Fülle von Material bereit, das für Eltern von hohem Interesse ist und das die Grundlage für sachhaltige und von Beziehungsfragen entlastete Gespräche mit den Eltern der Kinder bietet. Die Information der Eltern über das Anlegen eines solchen Portfolios für ihr Kind (und das Einholen ihres Einverständnisses dazu) sowie seine vorgesehenen Inhalte wird selbst schon einen wichtigen Teil der einführenden Gespräche ausmachen können und den Eltern im allgemeinen den Eindruck vermitteln, dass die Entwicklung und das Wohlergehen ihres Kindes sorgfältig beachtet und sie selbst auf dieser Grundlage umfassend informiert werden. Solche Informationsgespräche sollten regelmäßig in nicht zu großen Abständen angeboten werden (etwa 3-4 Mal im Jahr) und können bereichert werden um Gespräche und Nachfragen über das bzw. zu dem Leben des Kindes in der Familie, das ebenfalls durch Fotos und Geschichten, etc. in die Dokumentation Eingang finden können. Insbesondere kann über die Darstellungen aus den verschiedenen Beobachtungsinstrumenten die Aufmerksamkeit der Eltern auf wichtige Merkmale der Bildungsprozesse ihrer Kinder gelenkt und sie zu eigenen Beobachtungen angeregt werden, die dann ebenfalls im Portfolio des Kindes berücksichtigt werden sollten.

Dieser Gestaltung der Aufnahme des Kindes in die Einrichtung und der Beginn der Beziehungen zu seiner Familie korrespondiert die Gestaltung des Übergangs des Kindes in die Grundschule am Ende seiner Zeit in der Kindertageseinrichtung. Nicht nur der Abschied des Kindes von den Personen, die ihn über eine lange Zeit seines noch jungen Lebens begleitet und sein "Bild von der Welt" und die Entwicklung seiner seine Kompetenzen, in dieser Welt handlungsfähig zu sein, unterstützt und herausgefordert haben, will seine Form finden. Es geht auch um eine letzte Geste der Unterstützung für das Kind, das seinen ganz persönlichen Übergang in diese neue Welt von Herausforderungen konstruieren muss und will. Zu den verschiedenen Formen, die Bemühungen um die Gestaltung dieses Übergangs in die Schule annehmen können, sind Kriterien im 10-Stufen-Projekt-Bildung enthalten, die bedacht werden sollten, wenn eine Kindertageseinrichtung sich dieser Aufgabe stellt (Modul 9).

Zwischen diesen Polen der Aufnahme eines Kindes und seinem Abschied aus der Einrichtung befindet sich das Feld der alltäglichen pädagogischen Arbeit, die täglich auf's Neue geleistet und den Bildungsprozessen jedes einzelnen Kindes angepasst werden muss, wenn die Einrichtung Erziehung auf hohem Niveau anbieten will. Im Erarbeiten eines neuen Zugangs zu den Bildungsprozessen der Kinder und der Entwicklung von Formen der Erziehung, die ihnen angemessen sind, kreuzen sich die "Bildungswege der Einrichtung" und die der Kinder. Auch die Einrichtung muss zum Mittel der Konstruktion neuer Welt- und Kindbilder greifen, wenn sie zu neuen Ergebnissen in ihrer Arbeit gelangen will. Im Bildungsbereich kann nicht auf der Basis von "Rezepten" gearbeitet werden, es sind jeweils eigenständige Konstruktionsleistungen erforderlich. Das 10-Stufen-Projekt-Bildung kann solche Konstruktionen nur herausfordern, sie ermöglichen und unterstützen, aber nicht ersetzen.

Zu diesem Zweck sind auf einer breiten Basis Kenntnisse aus der internationalen Forschung, aus Anwendungserfahrungen der Praxis und aus eigenen Arbeiten im Rahmen des Bundesmodellprojekts "Zum Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen" zusammengeführt worden, die in dieser Form neu sind. Das bedeutet auch, dass im Umgang mit den Materialien und Verfahrensvorschlägen Erfahrungen gesammelt, ausgewertet und weiterentwickelt werden müssen. Anders ausgedrückt: Die Arbeit mit dem 10-Stufen-Projekt-Bildung wird die Form eines gemeinsamen Forschungsprojektes haben, dessen Themen die Bildungsprozesse der frühen Kindheit und geeignete Möglichkeiten ihrer Herausforderung und Unterstützung in Kindertageseinrichtungen sein werden. Das 10-Stufen-Projekt-Bildung setzt dabei einen Anfang, der selbst schon Ergebnis der Arbeit von vielen ist, die fortgeführt werden soll und muss. Der Komplexität des Vorhabens entspricht es, ein solches Vorhaben von vorn herein als ein gemeinsames zwischen Forschung und Anwendung zu entwerfen, da erkennbar das eine ohne das andere nur schwer auskommen wird, wenn sinnvolle Ergebnisse erzielt werden sollen, die unter den Bedingungen der Praxis auch standhalten können.

Dabei schlagen wir vor, in zwei Schritten vorzugehen, die sich möglicherweise ein Stück weit überschneiden werden. Im ersten Schritt liegt der Schwerpunkt der Anstrengungen auf der Etablierung einiger grundlegender Vorgehensweisen und auf der Beobachtung der Kinder. Hauptziel ist es, wie oben bereits beschrieben, "die Kinder besser kennen zu lernen", mit Hilfe der Instrumentarien eine persönliche Überzeugung davon zu entwickeln, wie Bildungsbewegungen von Kinder aussehen können, welche Zugänge zur Welt die Kinder für ihre Konstruktionen nutzen, welche Beziehungen sie untereinander knüpfen, welche Reaktionen ihr Verhalten in der Beobachterin auslöst, etc. Die Erfahrungen sollen ausgewertet, die Instrumente verbessert und ggf. ergänzt werden und auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse mögliche Vorgehensweisen diskutiert werden.

Daneben wird es eine Herausforderung für das pädagogische Fachpersonal der Einrichtungen sein, sich unter Berücksichtigung der Vorgaben des Gesetzgebers, des Trägers und dem Stand der öffentlichen Diskussion über die Erziehungsziele zu verständigen, die in der Einrichtung verbindlich verfolgt werden sollen. Eine solche Verständigung wird zunächst einmal eher vorläufige Ergebnisse haben, die auch die sehr persönlichen Werthaltungen und Ziele der einzelnen Mitarbeiterin berühren werden. Die Ergebnisse werden formuliert und dienen als Arbeitsgrundlage, die im Prozess weiterentwickelt werden kann. Die pädagogische Arbeit selbst, soweit nicht die eingangs erwähnten grundlegenden Vorgaben betroffen sind (Eingewöhnung der Kinder, Anlegen von Portfolios, etc.) bleibt vom 10-Stufen-Projekt-Bildung vorerst unberührt. Allerdings kann damit gerechnet werden, dass sich aus der Erarbeitung von Erziehungszielen und den Beobachtungen der Kinder fast von selbst Fragen bzgl. der pädagogischen Konzepte ergeben werden. Diesen Fragen wird dann im zweiten Schritt des Vorhabens intensiv nachgegangen werden (Module 2 und 4).

Allen, die interessiert sind, sich über die Grundlagen des 10-Stufen-Projekts-Bildung zu informieren sei das Werkstattbuch "Forscher, Künstler, Konstrukteure" anempfohlen, in dem die Ergebnisse des Modellprojekts zum Bildungsauftrag für die Praxis dargelegt sind. Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport hat diesen Band mit dem 1. Bildungstag Kita allen Kindertagesstätten im Land zur Verfügung gestellt.

Insgesamt setzt das Projekt die Bereitschaft der Erzieher/innen voraus, sich auf diese Herausforderung und die damit verbundenen Anstrengungen einzulassen, die des Trägers, die notwendigen Ressourcen bereitzustellen, die der PraxisberaterInnen, die vorhersehbar komplexen Prozesse der Veränderung zu begleiten und zu moderieren, schließlich die Bereitschaft des Gemeinwesens insgesamt, ein solches Vorhaben zuzulassen und zu fördern. Insbesondere ist die Existenz einer Transferstruktur unverzichtbar, die mit den nötigen Ressourcen ausgestattet dafür sorgt, dass die Erfahrungen, die mit dem Instrumentarien und den Handlungsempfehlungen des 10-Stufen-Projekts-Bildung gemacht werden, ausgewertet, weiterentwickelt und die Ergebnisse an die Einrichtungen zurück vermittelt werden können. Das Vorhaben ist von komplexer Natur und stellt hohe Ansprüche an die Beteiligten, die über längere Zeit erfüllt werden müssen, wenn ein dauerhafter Erfolg in der Reform des vorschulischen Bildungswesens erreicht werden soll.

Die Entscheidung, sich auf ein solches Vorhaben einzulassen, es selbst mit zu tragen, erfordert persönlichen Mut, fachliche Kompetenz und Vertrauen in die Kooperation mit anderen, von der sehr viel abhängt. Die anderen sind die Kolleginnen, die Trägervertreter, die Eltern, die Beraterinnen, die Wissenschaftler, die verantwortlichen Politiker, die Verwaltungsfachleute, die Journalisten und vermutlich viele, an die hier noch gar nicht gedacht werden kann und die ihre Rolle erst im laufenden Projekt finden.

Es bedeutet auch und besonders, Vertrauen zu sich selbst zu haben, in die eigene Beobachtungs- und Urteilsfähigkeit, die für einen angemessenen Gebrauch des Instrumentariums unabdingbar ist. Nicht der Glaube an die Wirksamkeit von Instrumenten oder Methoden kann hier weiterhelfen, sondern nur die persönliche Überprüfung ihrer Sinnhaftigkeit und ihres Nutzens durch jede Erzieherin und alle anderen fachlich kompetenten Beteiligten. Die Frage der Bildung der Kinder und ihrer wirksamen Unterstützung kann nur durch eigenen Augenschein, durch eigene Forschung, durch eigenes Urteil - durch eigene Konstruktionsleistungen - und das kontinuierliche Gespräch miteinander beantwortet werden.

Wann beginnt das Projekt in Brandenburg und was sind die ersten Schritte?
Das Projekt wird mit einer großen Auftaktveranstaltung Ende Oktober 2002 für die Teams aller beteiligten Einrichtungen beginnen. Dort werden die 10 weiterentwickelten Bildungsmodule, der Ablauf des Projekts und die geplanten Formen der Kooperation zwischen infans und den Kindertagesstätten im Detail vorgestellt. Jede Projekt-Kindertagesstätte wird auf dieser Tagung die Forschungsinstrumente bekommen, die ihr zentrales Handwerkszeug für die nächsten 1 ½ Jahre sein werden.

Mit zwei Kerneinrichtungen wird das infans-Team die 10 Bildungsmodule intensiv erproben und bei regelmäßigen Besuchen in den beiden Kindertagesstätten diskutieren. Es wird vorausgesetzt, dass sich die Teams dieser beiden Einrichtungen bereits vor Beginn des Projekts mit der seit einigen Jahren laufenden Bildungsdiskussion beschäftigt haben. Regelmäßige pädagogische Teamgespräche sollten selbstverständlich sein.

Im mitforschenden Keis des Projekts werden sich weitere 30 Kindertagesstätten am Projekt beteiligen. Nach der Auftaktveranstaltung werden diese Einrichtungen in einer ersten Forschungsphase mit Beobachtungsinstrumenten aus dem 10-Stufen-Konzept arbeiten, ihre Erziehungsziele konkretisieren, für jedes Kind eine Dokumentation (Portfolio) anlegen und erste Schritte zur Umgestaltung der Kita tun. Via Internet wird sich jede beteiligte Kindertagesstätte mit den anderen Forschungseinrichtungen und infans austauschen und Fragen erörtern können. Nach etwa 3 Monaten werden je drei Vertreterinnen aus den mitforschenden Kindertagesstätten in 2-tägigen Workshops zusammenkommen und dort Gelegenheit haben, ihre Erfahrungen persönlich einzubringen und sich in der Handhabung des Instrumentariums von den infans-MitarbeiterInnen beraten zu lassen.

Der erweiterte Kreis des 10-Stufen-Projekts-Bildung steht allen interessierten Kindertagesstätten des Landes Brandenburg offen. Es ist geplant einzelne Bildungsmodule, die in den mitforschenden Kindertagesstätten und den Kerneinrichtungen ausreichend erprobt wurden, baldmöglichst allen Erzieherinnenteams zur Verfügung zu stellen, die sich dem Forschungsverbund Bildungsauftrag anschließen wollen.


Einladung zur Teilnahme am Forschungsverbund Bildungsauftrag Sind Sie beim Lesen neugierig geworden auf das 10-Stufen-Projekt-Bildung und haben Sie Lust bekommen mitzuforschen? Noch können Sie sich um eine Teilnahme am Projekt bewerben.

Und wie läuft das Bewerbungsverfahren?
Schicken Sie uns Ihre Interessensbekundung und die Adresse Ihrer Kindertagesstätte bis spätestens 30. Juni 2002 zu.

Entweder postalisch an:
infans e.V.
Havelberger Str. 13
10559 Berlin

oder per e-mail
INFANS@t-online.de

Wir werden Ihnen dann die Bewerbungsunterlagen zusammen mit einer Projektbeschreibung zuschicken. So können Sie sich in Ihrem Team noch einmal ausführlich darüber verständigen, ob Sie sich um eine Teilnahme am 10-Stufen-Projekt- Bildung bewerben wollen.

Ende der Bewerbungsfrist ist der 16. September 2002. Die Auswahl der Kerneinrichtungen und mitforschenden Kindertagesstätten wird dann Ende September abgeschlossen sein.
 
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